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Was passiert, wenn ein Team aufhört, Stärken zu verstecken?

  • Autorenbild: Barbara Ormsby
    Barbara Ormsby
  • 20. März
  • 5 Min. Lesezeit

Stellen Sie sich vier Menschen vor, die um einen Tisch sitzen, der mit Spielkarten bedeckt ist. Sie spielen kein Poker. Niemand blufft. Was an diesem Tisch geschieht, ist eigentlich das genaue Gegenteil: Die Menschen legen ihre Karten offen hin und erklären mit eigenen Worten, wer sie sind.


Team members using StrongSuits cards to identify professional strengths in a workshop

Das ist der Moment, den ich in einem StrongSuits-Workshop am faszinierendsten finde. Nicht die Spielmechanik, die sich in zwei Minuten erklären lässt. Auch nicht die Karten selbst, die letztlich nur ein Vehikel sind. Der interessante Moment ist der, in dem jemand eine Karte aufnimmt, sagen wir Leidenschaft, Analyse oder Tempo, und der Gruppe erklärt, warum diese Karte zu ihr gehört. Dann reagieren die Umstehenden: nickend, überrascht, oder mit einem Blick, der zeigt, dass sie die Person gerade neu entdecken. Und plötzlich ist die Atmosphäre im Raum eine andere.


Das Problem mit dem professionellen Schweigen


Die meisten Teams leiden still an einer Variante desselben Problems. Die Menschen im Raum sind kompetent, erfahren und engagiert. Sie leisten gute Arbeit. Aber sie haben voneinander ein unvollständiges Bild.


Im Beruf haben wir gelernt, uns über Rollen, Ergebnisse und Qualifikationen zu zeigen. Was wir selten von uns aus erwähnen: dass uns Planen leichtfällt. Dass wir diejenigen sind, die die Stimmung im Raum als Erste spüren. Dass uns Unklarheit eher antreibt als lähmt, während andere dabei unruhig werden. Das fühlt sich zu persönlich an, zu schwer greifbar, zu leicht missverstanden. Also schweigen wir.


Die Folge: Teams arbeiten ständig um blinde Flecken herum. Sie machen Annahmen darüber, wer was kann. Sie missverstehen die Motive der anderen. Und echte Stärken bleiben ungenutzt, weil sie nie jemand klar ausgesprochen hat.


Jenseits von Schubladen: Teamstärken spielerisch entdecken


StrongSuits wurde von Dave Corbet entwickelt, der mit über 8.000 Führungskräften aus mehr als 70 Organisationen gearbeitet hat. Sein Ausgangspunkt war eine Beobachtung, die viele kennen: Persönlichkeitstests erzeugen Profile, aber keine Gespräche. Berichte, die einmal gelesen und dann abgeheftet werden. Kein echtes Verständnis füreinander, nichts, was wirklich verändert, wie ein Team zusammenarbeitet.


StrongSuits geht einen anderen Weg. Die 52 Karten benennen je eine berufliche Stärke, zum Beispiel Genauigkeit, Struktur, Tempo, Überblick oder Leidenschaft, jeweils mit einer kurzen Beschreibung, wie sich diese Stärke im Alltag zeigt, und, entscheidend, wann sie zu viel des Guten wird.. Das Spiel gibt Teams eine gemeinsame Sprache und einen Rahmen für ein Gespräch, das sonst kaum stattfindet. Heute entwickelt eine wachsende internationale Gemeinschaft das Tool weiter und bringt es in neue Kontexte und Kulturen.


Und so läuft es ab: Jede Person wählt die fünf Karten, die die eigenen Stärken am besten beschreiben, und erklärt dem Team, warum. Die anderen reagieren darauf: Erkennen sie diese Stärken? Würden sie etwas ergänzen? Sehen sie die Person anders als bisher? Das Spiel schafft den Raum für genau dieses Gespräch, ohne dass es sich wie ein Mitarbeitergespräch oder eine Therapiesitzung anfühlt. Viele Teilnehmende beschreiben es so: Man lernt jemanden endlich richtig kennen. Kein statischer Bericht, sondern ein lebendiges Gespräch.


Was passiert, überrascht fast alle


Das Feedback der Teilnehmenden ist in einem Punkt erstaunlich einheitlich: Fast alle erleben irgendetwas Unerwartetes. Aber was sie überrascht, ist jedes Mal anders.


Manche entdecken etwas über sich selbst. Eine Teilnehmerin sagte: „Es hat mir geholfen zuzugeben, worin ich gut bin, etwas, das ich sonst eher vermeide." Ein anderer beschrieb die Auswahl seiner fünf Karten als einen Moment der Klarheit: Er erkannte, was ihm bei gemeinsamer Arbeit wirklich wichtig ist, und hatte das bis dahin nie in Worte gefasst.

Andere sind nicht von sich selbst überrascht, sondern von den Menschen neben ihnen. „Was mich am meisten überrascht hat, waren die Karten meiner Teammitglieder", berichtete eine Person. „Es gab Qualitäten, die ich bei bestimmten Menschen nicht erwartet hätte. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur von außen zu urteilen. Das war ein echter Aha-Moment." Jemand anderes stellte fest: Selbst bei Menschen, mit denen man täglich zusammenarbeitet, gibt es noch Neues zu entdecken.


Und dann gibt es noch eine dritte Art von Überraschung, eine unbequemere: wie schwer es fällt, Stärken vor anderen auszusprechen. „Ich fand es wirklich schwierig zu sagen, worin ich gut bin", schrieb eine Person. „Ich hatte Angst, dass die Gruppe widerspricht. Als hätte ich sie enttäuscht." Das ist keine ungewöhnliche Reaktion. Vielen fällt es leichter, Schwächen zu benennen als Stärken, besonders vor Leuten, deren Meinung zählt. Das Spiel bringt genau das ans Licht, aber in einem Rahmen, der es aushaltbar macht.


Das Team sieht sich selbst klarer


Wenn ein Team die Übung gemeinsam durchläuft, wird etwas sichtbar, das über einzelne Erkenntnisse hinausgeht: das Profil des Teams selbst.


Manche Stärken tauchen bei fast allen auf. Andere finden sich in niemandem's Top-Fünf. Das ist kein Mangel, sondern eine Information. Ein Team, das weiß, wo es von Natur aus stark ist und wo es bewusst hinschauen muss, arbeitet auf einer ganz anderen Grundlage als eines, das das nur vermutet.


Eine Teilnehmerin brachte es so auf den Punkt: „Mir ist aufgefallen, dass Dinge, die mir völlig selbstverständlich sind, für andere gar nicht selbstverständlich sind. Mein Aha-Moment war, wie hilfreich es ist, das offen auszusprechen. Dann versteht man sich selbst besser und kann die Stärken der anderen viel bewusster nutzen."

Jemand anderes sagte: „Stärken sind Qualitäten, die manche so selbstverständlich haben, dass sie gar nicht verstehen, warum andere sie nicht haben. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, wie wichtig es ist, diese Unterschiede zu schätzen statt vorauszusetzen."


Genau dafür ist StrongSuits gemacht. Nicht um festzustellen, wer worin am besten ist, sondern um ein ehrlicheres Bild davon zu bekommen, was jede Person einbringt. Und um eine Teamkultur zu schaffen, in der das auch ausgesprochen und genutzt wird.


Warum sich Vertrauen nicht verordnen lässt


Psychologische Sicherheit gilt in der Forschung als einer der wichtigsten Faktoren für Teamleistung. Gemeint ist damit: Menschen fühlen sich sicher genug, um ihr volles Potenzial einzubringen und Bedenken offen auszusprechen. Aufbauen lässt sie sich aber nicht durch Anweisung. Vertrauen entsteht nicht auf Befehl. Man kann nur die Bedingungen schaffen, unter denen es wächst.


Genau das ist die Idee hinter StrongSuits. Der spielerische Charakter ist kein Selbstzweck, er hat eine Funktion. Wer Freude empfindet, wird innerlich weiter. Das Spielkartenformat gibt allen die gleiche Stellung im Gespräch. Und die Struktur sorgt dafür, dass niemand unaufgefordert etwas Persönliches preisgeben muss. Das Spiel führt die Teilnehmenden auf natürliche Weise dorthin.


Was sich verändert, wenn ein Team aufhört, seine Stärken zu verbergen: Es entsteht eine gemeinsame Sprache für Qualitäten, die sonst unbenannt bleiben. Feedback wird konkreter und wohlwollender. Die Wertschätzung füreinander geht über ein knappes „gut gemacht" hinaus. Und sobald ein Team gelernt hat, offen über Stärken zu sprechen, wird ein weiterer Schritt möglich: ehrlich zu fragen, wann eine Stärke zu viel des Guten wird, und welchen Preis das Team dafür zahlt. Dieses Gespräch zu führen, braucht einen sicheren Rahmen. Den schafft StrongSuits.

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